Zum Tag der Deutschen Einheit – Ein Kommentar

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Der Osten der Republik ist in den vergangenen Tagen und Wochen in die Negativschlagzeilen geraten. Chemnitz, Abwanderung, Nazi-Terrorzelle. Da bleibt die Frage, wie ist uns die Wiedervereinigung in den letzten 3 Jahrzehnten gelungen? 

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Augenscheinlich gibt es noch viel zu tun. Ich persönlich habe die Chance gehabt den Osten der Hauptstadt in den vergangenen 2 Jahren kennenzulernen. Und es mutet in jedem Fall schon merkwürdig an, wenn Familien hinter Marzahn ihre 14-jährigen Kinder, also geboren 2004, zur Jugendweihe schicken, statt sie taufen zu lassen. Ebenso wie „andersaussehende“ in den Stadtvierteln des ehemaligen Ostberlins nicht die größte Welle der Willkommenskultur entgegenschlägt und man darüber hinaus Produkte wie Spreewaldgurken und die Schlager Süsstafel lieber kauft, als alles was seit 1990 Einzug in die Regale gehalten hat. In den Köpfen scheint noch eine große Mauer zu existieren. 

Ich plädiere dafür, dass wir den Dialog – in breiter Öffentlichkeit – über den Soli hinaus und über das Mecklenburger Land hinaus über ganz normale Dinge des Lebens führen, dass Kinder und Jugendliche ermutigt werden die Sicht des und der anderen einzunehmen. Das wir versuchen Schranken abzubauen und uns als ein Land verstehen. In meinen Augen wurde es leider versäumt Anfang der Neunziger eine Verfassung gemeinsam vom Volk legitimieren zu lassen. Jetzt sind die Fronten teilweise so verhärtet, dass dieser Weg nach hinten losgehen könnte. Aber es braucht ein Zeichen was größer ist, als ein paar Schulklassen im Kanzler*innen-Amt.

(sun 03.10.2018)