Bankenverband legt Plan vor: Geld sparen soll jetzt Geld kosten

Kanzlerin Merkel sagte zu Mario Draghis Abschied von der Europäischen Zentralbank (EZB), er habe Spuren in Europa hinterlassen. Der gebürtige Römer hat tatsächlich Spuren hinterlassen – und die reichen jetzt auch bis zu den deutschen Kleinsparern. Offenbar kommen Minuszinsen auf eine Vielzahl von Bankkunden zu.

Die Zinspolitik der EZB unter Draghi hat dazu geführt, dass Banken, die Geld bei der Zentralbank deponieren dafür „Strafzinsen“ zahlen müssen. Zu Beginn dieses Jahres hatten die meisten Genossenschafts- und Kundenbanken noch beteuert, dass sie die dadurch entstehenden Kosten nicht an die Kleinsparer weiter geben wollten. Fimico berichtete.

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Was nun in verschiedenen Medien berichtet wird, hört sich dagegen etwas anders an. Auf einer Tagung im Oktober sollen Spitzenvertreter der Branche bereits davon überzeugt gewesen sein, dass es bald Strafzinsen für das Sparbuch und das Tagesgeldkonto geben werde. Und bei den Volks- und Reiffeisenbanken geht man jetzt schon dazu über die Einführung der Strafzinsen strategisch vorzubereiten.

Aus einem 60-setigen Dokument, welches momentan offenbar als Rundschreiben an die Volks- und Reiffeisenbanken verschickt wird, soll hervorgehen, dass die Minuszinsen, welche die Banken an die EZB bezahlen müssen, an ihre Kunden weiter geben wollen. Dazu wurde vom Bundesverband deutscher Volks- und Reiffeisenbanken (BVR) recherchiert und das Dokument verfasst.

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In dem Schreiben soll es unter anderem auch um die rechtliche Lage gehen. Dürfen die Kundenbanken solch einen Schritt überhaupt durchführen. Anscheinend schon. Und es soll in dem Schreiben auch darum gehen, wie man den eigenen Kunden erklärt, dass Kosten auf sie zukommen, wenn sie bei einer Bank Geld einlegen.

Einige Banken verhängen die Strafzinsen schon jetzt – aber meist auf große Einlagen. Die Berliner Sparkasse will zum Beispiel -0,4 Prozent für ein Guthaben über eine Million Euro haben. Die Spardabank Berlin verhängt Strafzinsen sogar schon ab einem Einlagenvermögen von 100.000 Euro.

Quelle: Handelsblatt Quelle: CHIP

Bild von Andrew Khoroshavin auf Pixabay