Experte: Grundrente liegt oft unter Grundsicherung

Die Würde des Einzelnen war ein zentraler Gedanke bei der Einführung der Grundrente. Man wolle langjährig Versicherte vor der Sozialhilfe bewahren, so wollte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil das gerne. Finanzmathematiker sagen nun, dass die Grundrente in den meisten Fällen nicht reichen wird.

Die Große Koalition hat lange um die Grundrente gerungen. Geringverdiener, die ein Leben lang gearbeitet haben, Angehörige gepflegt oder Kinder erzogen haben, sollten dank der Grundrente von 2021 eine Rente oberhalb der Grundsicherung erhalten, also über der Sozialhilfe im Alter. Davon sollten zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Rentner profitieren.

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„In den meisten Fällen von langjährigen Niedrigverdienern wird die ausgezahlte Grundrente unter der Grundsicherung liegen“, sagt der Finanzmathematiker und Rentenexperte Werner Siepe. – so berichtet die Wirtschaftswoche. Dahinter stecken die Beiträge für Kranken- und Pflegekassen, die rund 11 Prozent ausmachen, die bei der Grundrente anfallen. Bei der Grundsicherung müssen diese Beiträge nicht gezahlt werden.

Das Bundesarbeitsministerium würde das gerne nicht so groß aufrollen. Man könne als Bezieher einer niedrigen Grundrente ja auch noch zusätzlich Grundsicherung zu beziehen. So wäre sichergestellt, dass in Summe mehr ausgezahlt wird, als bei der Grundsicherung. Dafür soll ein spezieller Freibetrag bei der Grundsicherung eingeführt werden. Dann würde die Rente nicht voll verrechnet sondern ein Teil komme auf die Grundsicherung oben drauf.

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Das war nicht das was der Arbeitsminister Hubertus Heil angekündigt hat. „Er wollte erreichen, dass langjährige Versicherte keine Grundsicherung mehr brauchen. Viele scheuen zum Beispiel die dabei erforderliche Offenlegung von Einkommen und Vermögen. Mit der Grundrente würden sie nun zwar bessergestellt, aber trotzdem oft nicht das Niveau der Grundsicherung erreichen.“ – so stet es bei der Wirtschaftswoche weiter.

„Die Berechnung der Grundrente ist kompliziert – und in Details auch noch nicht geklärt. Um Anspruch auf die Grundrente zu haben, müssen Rentner in der Rentenversicherung auf 35 relevante Jahre kommen, etwa Pflichtbeitragszeiten aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege.“

Quelle: WirtschaftsWoche

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