Ein tragisch-komisches Weihnachtsfest

Es ist Weihnachten – das wohl am meisten erwartete Fest des Jahres. Familienmitglieder nehmen lange Strecken auf sich, damit man einmal im Jahr im Kreise der Familie zusammen sein kann. Ruhe und Besinnlichkeit, das erwartet man an den Feiertagen. Manchmal kommt es aber auch ganz anders.

Wenn die Kinder älter werden und ihre eigenen Familien gründen, dann ist es für die Eltern oft nicht leicht immer noch in die Planungen derart einzugreifen, dass die ganze Familie zusammenkommt. Der Sohn wohnt mit seiner Frau und den Kindern im Allgäu, die Tochter samt Mann und Hund in Berlin, das Elternhaus steht in Rüdesheim am Rhein. Und bei dieser Betrachtung fehlen die Eltern der Partner dieser beiden Kinder noch gänzlich.

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Also entscheiden sich nicht wenige ältere Paare dazu in ein Hotel zu gehen um sich verwöhnen zu lassen, die Kinder sind ja aus dem Haus und so etwas könnte ja zu den Vorzügen des Rentenalters gehören, denkt man. In der kommenden kurzen Geschichte geht es um wahre Begebenheiten der letzten 72 Stunden. Wir nennen die Akteure und das Hotel nicht mit den realen Namen, aus Rücksicht auf alle Beteiligten.

Samstag 21.12.2019, 5:30 Uhr. Die Eltern werden zu Hause von einem Zubringerbus abgeholt und auf einem Autobahn-Rasthof in der Nähe an die eigentliche Reisegruppe übergeben. Die Gruppe ist angesichts der Uhrzeit müde, aber mit Blick auf das zu Erwartende freudig gestimmt.

Nun geht es in den Süden der Republik, angekommen an einem schönen großen Hotel, mitten in den Wäldern Süddeutschlands, wird ausgeladen und eingecheckt. Das ist der erste Moment an dem klar werden sollte, dass es interessante Feiertage werden könnten. Der Check-in dauert geschätzte 30 Minuten – pro Paar.

Okay – nur nicht zu schnell aufregen – man soll ja mit einem Willkommensgeschenk und -getränk auf die gemeinsame Zeit eingestimmt werden, bevor es das erste Mal Abendessen gibt. Hier geht dem wenigen Personal nach erneuten langen Wartezeiten am Ende sogar das Material aus – sowohl die Geschenke als auch die Getränke.

Das geht ja gut los – Die Eltern gehen zum Abendessen, mit Programm soll es sein – doch auch hier die ernüchternde Erkenntnis. Zu wenig Personal für den Service und für das Programm auch. Dann freut man sich auf die Gänsekeule, Antwort der Kellnerin: „Die ist leider aus, aber hier haben wir eine angepasste Karte, bitte“. Die angepasste Karte war nur halb so groß wie das eigentlich gültige Exemplar. Wenn das Essen jetzt wenigstens saugut ist, dann soll uns das Recht sein, denken die beiden.

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Die schnelle Erkenntnis, auch das Essen lässt zu Wünschen übrig. Wenigstens lässt das Personal die Reisenden wissen, dass massiv Personal fehlen würde und man gemeinsam einige kreative Lösungen finden müsse. Die Eltern entschieden am nächsten Tag einfach in den nächsten größeren Ort zu fahren, um dort hoffentlich auf ihre Kosten zu kommen.

Das Problem hierbei war lediglich, dass man nur mit dem Taxi vom Hotel weggekommen ist und das in den nächsten zu erreichenden Orten auch so rein gar nichts los war. Mittlerweile ist es Montag Morgen 23.12.2019. Die Stimmung ist so langsam am überkochen, man versucht sich aber mit guter Zurede und dem einen oder anderen Wein zu beruhigen. Es scheint zu klappen.

Endlich ist Weihnachten. Die Organisation und die Qualität lässt aus Sicht der Eltern aber dennoch stark zu Wünschen übrig. Also beschließt die beiden die Sauna und das Schwimmbad des Hauses zu benutzen. Raten sie mal: Leider nur zu bestimmten Zeiten oder vielleicht auch gar nicht nutzbar, weil das Personal fehlt.

„Ich habe ein langes Wochenende Gaudi im Wald gebucht und ein paar Tage Testlauf im Heim oder auf dem Friedhof bekommen“, das sagten die Eltern. Wenn man den Menschen zum Fest Gaudi verspricht, dann muss man sich auch immer überlegen, dass diese Menschen mitunter aus irgendeinem Grund nicht bei ihren Familien sind und darum auch ganz besonders besondere Feiertage erleben möchten.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Bild von Couleur auf Pixabay