Klima: Proteste vor und in der Siemens-Hauptversammlung erwartet

Die Hauptversammlung von Siemens am Mittwoch könnte die letzte von Konzernchef Joe Kaeser sein. Und sie wird ungemütlich: Der Streit um den Beitrag des Industriekonzerns für ein Kohlebergwerk wird für Proteste sorgen.

München (dpa)

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Siemens-Chef Joe Kaeser steht eine ungemütliche Hauptversammlung bevor. Zum Aktionärstreffen an diesem Mittwoch in München planen Aktivisten verschiedener Gruppierungen Proteste vor und in der Hauptversammlung.

Auch von Investoren dürfte es Kritik geben. Der Streit um die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein riesiges Kohlebergwerk des indischen Konzerns Adani in Australien überschattet die Hauptversammlung, die Kaesers letzte an der Spitze des Konzerns werden könnte. Zum Jahresende läuft sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender aus.

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Angemeldet haben die Proteste vor der Olympiahalle, in der die Hauptversammlung traditionell stattfindet, die Aktivisten von «Fridays for Future». Wieviele Demonstranten kommen, sei schwer einzuschätzen, sagte ein Sprecher. Unterstützt wird die Demonstration unter anderem von Greenpeace, dem Bund Naturschutz, der Umweltbewegung «Extinction Rebellion» und von Campact.

«Mit Sicherheit wird das sehr voll, weil ja auch viele dazu aufrufen», sagt eine Greenpeace-Sprecherin. Campact hat rund 18 000 Menschen aus dem Großraum München angeschrieben und zur Teilnahme aufgefordert, rechnet aber damit, dass von den Angeschriebenen nur eine kleine Zahl Zeit für die Aktion finden wird.

Bei Siemens heißt es, es handle sich um eine normale Hauptversammlung. Der Konzern sei sich aber bewusst, dass es wohl größere Proteste als sonst geben werde. «Wir richten die Sicherheitsanforderungen daran aus», sagte ein Sprecher. Er betont aber auch, dass die Proteste, die es bisher gegeben habe, gewaltfrei und friedlich gewesen seien.

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Im Inneren der Olympiahalle wird sich Kaeser ebenfalls Kritik anhören müssen. Alleine mit den Stimmrechten der Vereinigung der kritischen Aktionäre will ein Dutzend Redner ans Mikrofon treten – darunter eine Vertreterin der vom Adani-Projekt betroffenen Ureinwohner Australiens. Zudem gibt es mehrere Anträge von Einzelaktionären, die sich gegen eine Entlastung des Vorstands, des Aufsichtsrats oder von Kaeser als Vorstandsvorsitzendem aussprechen. Sie dürften allerdings keine Aussicht auf Erfolg haben.

Auch von institutionellen Investoren dürfte es aber negative Töne geben. So sagte Vera Diehl von Union Investment: «Der Fall Adani war ein kommunikatives Desaster für Siemens.» Diehl positioniert sich auch klar für ein Ende von Kaesers Zeit bei Siemens: «Momentan spricht aus unserer Sicht wenig dafür, dass Herr Kaeser eine weitere Vertragsverlängerung als Vorstandschef bekommt oder einmal den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt.» Ingo Speich von Deka Investment sagt, man sei «an einer geordneten Nachfolgeregelung interessiert», die keine weitere Amtszeit von Kaeser vorsehe.

Dabei hat Kaeser solide Zahlen vorgelegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens der schwächelnden Weltkonjunktur getrotzt und Umsatz sowie operatives Ergebnis gesteigert.

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Titelbild: Eine Demonstrationsteilnehmerin hält während einer Protestaktion von Fridays for Future vor der Siemens Zentrale in München ein Schild in die Höhe. Foto: Matthias Balk/dpa