Billigangebote für Lebensmittel: Merkel spricht mit Handel

Seit Monaten rollen Bauern mit Traktoren in die Städte, um für mehr Wertschätzung zu demonstrieren. Und die beweist sich letztlich an der Ladenkasse. Die Regierung will jetzt den Handel sensibilisieren.

Berlin (dpa)

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Angesichts umstrittener Billigangebote für Lebensmittel in den Supermärkten kommt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie zusammen.

Die Bundesregierung hatte bereits vorab das Ziel «angemessener» Preise für die Landwirte deutlich gemacht, von denen unter anderem zusätzliche Anstrengungen zum Umweltschutz erwartet werden. Thema des Treffens, an dem Agrarministerin Julia Klöckner und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) teilnehmen, sollen außerdem Neuregelungen bei Lieferkonditionen des Handels sein.

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Die Verbraucherzentralen forderten faire Verhandlungsbedingungen für die Erzeuger. Der Chef des Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ein Preisdruck des Handels zulasten von Tierschutz- und Umweltstandards ist nicht im Interesse der Verbraucher.» Viele Kunden wünschten sich hohe Standards etwa beim Tierwohl und wären bereit, dafür mehr zu zahlen. «Aktuell können sie die Qualität eines Produktes aber kaum erkennen, schon gar nicht am Preis.» Nötig seien bessere Haltungsbedingungen, ein Eindämmen der verwirrenden Werbeflut und verbindliche Kennzeichnungssysteme für Lebensmittel. Nicht vergessen werden dürften in der Debatte aber auch Verbraucher, für die preiswerte Lebensmittel entscheidend seien.

Rewe-Chef Lionel Souque verteidigte die Preisgestaltung des Handels. «In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Günstige Lebensmittelpreise ermöglichen diesen Menschen eine gesunde und sichere Ernährung. Das wollen und werden wir als Lebensmittelhändler auch in Zukunft sicherstellen.» Souque betonte zugleich, es sei gut und richtig, über mehr Wertschätzung von Lebensmitteln zu reden. «Da gibt es in Deutschland sicherlich Nachholbedarf.» Doch dürfe man darüber nicht vergessen, dass es in erster Linie die Verbraucher seien, die von günstigen Lebensmittelpreisen profitierten.

Das Treffen im Kanzleramt mit Verbänden und Supermarktketten war nach einem «Agrargipfel» bei Merkel mit Vertretern der Landwirtschaft im Dezember angekündigt worden. Hintergrund sind auch anhaltende Proteste von Bauern, die sich gegen neue Umweltauflagen, aber auch gegen umstrittene Billigangebote für Fleisch und andere Lebensmittel richten. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte kürzlich der «Neuen Osnabrücker Zeitung», Lebensmittel dürften nicht zu Schnäppchenpreisen verramscht werden. «Auch der Handel muss seinen Teil dazu beitragen, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass höhere Standards im Stall oder auf dem Feld einen höheren Preis erfordern.» Werbung mit Dauerniedrigpreisen bewirke jedoch das Gegenteil.

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In diesem Punkt besteht Einigkeit mit der Umweltorganisation WWF. Deren geschäftsführender Vorstand Eberhard Brandes rief den Handel in der «Rheinischen Post» (Montag) dazu auf, «auf Qualität zu setzen, eine ressourcenschonende Produktion finanziell zu honorieren und die Zeit der aggressiven Dumpingangebote zu beenden». Auch die Verbraucher trügen Verantwortung «für eine Landwirtschaft, von der die Landwirte leben können und die gleichzeitig Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt schützt».

Titelbild: Viele Lebensmittel sind viel zu billig. Foto: Sebastian Gollnow/dpa