Lokführermangel bei der Deutschen Bahn verschärft sich

Die Deutsche Bahn sucht Lokführer - immer häufiger ergebnislos. Dabei will der Konzern die Fahrgastzahlen in zehn Jahren verdoppeln. Für Bahnchef Lutz braucht die Bahn für ihre Ausbaupläne Rückenwind aus der Politik.

Berlin (dpa)

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Die Suche nach Lokführern ist für die Deutsche Bahn einer Untersuchung der Allianz pro Schiene zufolge im vergangenen Jahr noch schwieriger geworden.

«Im Jahresdurchschnitt standen 100 offenen Stellen nur noch 25 als arbeitssuchend gemeldete Lokführer gegenüber», teilte der Lobbyverband mit. «Ein Jahr zuvor lag das Verhältnis noch bei 100 zu 28.» Damit sei die Quote schlechter als bei Altenpflegern und Klempnern. Die Allianz pro Schiene hat für die Analyse Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.

Angesichts von immer mehr Fahrgästen bemühen sich die Eisenbahnunternehmen um Stellenaufbau bei Lokführern. Eine umfassende Statistik zu beschäftigten Lokführern gibt es dem Verband zufolge nicht. Er geht für die vergangenen Jahre aber von steigenden Zahlen aus. Insbesondere 2019 habe der Bestand an aktiven Lokführern noch einmal stärker zugenommen als im Jahr davor, sagte ein Sprecher.

Die Deutsche Bahn wirbt seit längeren um Mitarbeiter. Im laufenden Jahr plant der Konzern, 25.000 neue Beschäftigte einzustellen, was einem Stellenaufbau von 5000 Mitarbeitern entspreche. Unter den Neuanstellungen sollen 2300 Lokführer sein. Der Saldo ist hierbei nicht bekannt.

Die Bahn will die Fahrgastzahlen bis 2030 nahezu verdoppeln. Vom Bund gibt es für die Sanierung der Infrastruktur rund 86 Milliarden Euro im Rahmen einer Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung. Zudem ist die Anschaffung weiterer Hochgeschwindigkeitszüge geplant. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Personal. Ähnlich geht es den Wettbewerbern im Regionalverkehr, die ihren Marktanteil in dem Segment steigern wollen.

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Nach Angaben der Deutschen Bahn hat die Zahl der Fahrgäste seit Jahresbeginn spürbar zugenommen: «In den ersten vier Wochen 2020 stieg die Zahl der Reisenden von 11 auf 12,2 Millionen, also um 10,7 Prozent im Vergleich zum Januar des Vorjahres», sagte Bahnchef Richard Lutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Das ist zum einen das Ergebnis der Mehrwertsteuersenkung auf Fernverkehrsfahrkarten. Zum anderen spüren die Reisenden, dass wir massiv in mehr Züge und mehr Personal investieren.»

Der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege, forderte die Politik zu mehr Unterstützung auf. «Derzeit stellt der Bund pro Jahr dem Straßengüterverkehr 125 Millionen Euro für die Aus- und Weiterbildung bereit und der Binnenschifffahrt immerhin 2,5 Millionen Euro. Die Unternehmen des Schienenverkehrs dagegen gehen leer aus.»

Bahnchef Lutz sagte, die geplanten Milliardeninvestitionen seien eine Generationenaufgabe. «Wir machen auch 2020 weiter mit unserer Ausbau- und Investitionsoffensive. Diese gelingt nur durch den enormen Rückenwind, den wir auch von der Bundesregierung für eine starke Schiene bekommen.»

Titelbild: Ein Lokführer steuert einen ICE. Der Personalmangel in der Branche hat sich im vergangegen Jahr weiter verschärft. Foto: Jan Woitas/zb/dpa