Coronavirus überschattet Opec-Treffen

Die Auswirkungen durch das neue Coronavirus haben den Ölpreis zuletzt in die Knie gezwungen. Das Ölkartell Opec will nun entschlossen reagieren - und erhöht vor dem zweiten Verhandlungstag den Druck auf Russland und die weiteren Partner.
Erdölfeld
Mohssen Assanimoghaddam

Von Fabian Nitschmann, dpa

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Das Ölkartell Opec will auf die wirtschaftlichen Folgen des neuen Coronavirus mit einer deutlichen Kürzung der Rohölförderung reagieren.

Die zuständigen Minister der 14 Mitgliedsstaaten machten am Donnerstag in Wien deutlich, dass sie eine Kürzung um 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag im zweiten Quartal anstreben. Eine Million Barrel pro Tag sollen dabei die Opec-Länder einsparen, die fehlenden 500 000 Barrel die zehn Kooperationspartner, darunter Russland. Ob die Partner zustimmen, ist noch ungewiss. Der Ball liegt nun vor allem bei Russland. Am Freitag wird in der großen «Opec+»-Runde weiter verhandelt.

Die angestrebte Kürzung entspräche rund 1,5 Prozent der weltweiten Rohölproduktion und wäre ein deutliches Signal des «Opec+»-Verbundes, der bereits seit drei Jahren versucht, den Ölpreis mit Förderlimits zu stabilisieren. Erst Anfang Dezember 2019 hatten die 24 Länder eine Kürzung um insgesamt 2,1 Millionen Barrel im Vergleich zu Oktober 2018 beschlossen – vor allem die Verbreitung des neuartigen Coronavirus ließ in der Folge aber jegliche Wirkung verpuffen. Die Opec produziert derzeit rund 28,9 Millionen Barrel Öl pro Tag, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern sind es rund 45 Millionen Barrel täglich.

Denn trotz des neuen Limits und zusätzlicher Produktionsausfälle in Libyen ist Öl seit Januar deutlich billiger geworden: Zum Jahreswechsel lag der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bei mehr als 65 US-Dollar, am Donnerstagmorgen stand er dagegen unter 52 US-Dollar. Auch die Ankündigung zur erneuten Förderkürzung am Donnerstag ließ den Preis zunächst nicht klettern. Eine Auswirkung der Opec-Beschlüsse etwa auf die Benzinpreise lässt sich damit nur schwer vorhersagen.

Schon vor dem Treffen in Wien waren Experten davon ausgegangen, dass eine Förderkürzung um rund eine Million Barrel pro Tag fast unumgänglich ist. «Eine Produktionskürzung von weniger als eine Million Barrel pro Tag würde für weiteren Abgabedruck sorgen», schrieb etwa die Commerzbank am Donnerstagmorgen. Ein «Opec+»-Komitee hatte Mitte Februar empfohlen, 600 000 Barrel (1 Barrel entspricht 159 Liter) Öl pro Tag weniger zu fördern – die starken wirtschaftlichen Auswirkungen durch das neuartige Coronavirus wurden aber erst einige Tage später wirklich deutlich.

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Inzwischen geht die Opec davon aus, dass der tägliche Ölbedarf 2020 lediglich um 0,48 Millionen Barrel steigen wird – im Dezember war das Ölkartell noch von einem Wachstum der Tagesnachfrage um 1,1 Millionen Barrel ausgegangen. Die «noch nie da gewesene Situation und die ständig wechselnden Dynamiken des Marktes» beinhalten aus Sicht der Opec Risiken für einen weiteren Abwärtstrend. Und mit dieser Einschätzung ist das Kartell nicht allein: Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Nachfrage nach Rohöl erstmals seit zehn Jahren sogar sinken könnte.

Die Sorge um die Verbreitung des Virus war auch abseits der Öl-Beratungen das prägendste Thema des Treffens in Wien. Sämtlichen Ministern und Begleitern wurde bei Betreten der Opec-Zentrale die Körpertemperatur gemessen, Journalisten durften das Gebäude gar nicht betreten. Die 14 Opec-Staaten waren zudem aufgerufen, ihre Delegationen möglichst klein zu halten. Im Konferenzsaal wiesen große Banner darauf hin, sich die Hände gründlich zu waschen und das Händeschütteln sowie Umarmungen zu vermeiden.

Titelbild: Eine neue Förderkürzung der Förderung ist fast unvermeidlich. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa