Fratzscher erwartet 2021 mehr Insolvenzen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erwartet als Folge der Coronakrise eine deutliche Zunahme der Firmeninsolvenzen 2021. "Die Unsicherheit durch Corona wird weit ins nächste Jahr reichen. Das bremst die wirtschaftliche Erholung und könnte zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz treiben", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe). Neben den Insolvenzen dürften viele Firmen auch mit schwierigeren Finanzierungsbedingungen zu kämpfen haben, die bislang gut und günstig an Kredite gekommen seien, so der Ökonom.

Von einer schnellen Erholung wie nach der Finanzkrise 2009 geht er nicht aus. Die wirtschaftliche Erholung werde sehr holprig verlaufen und von immer neuen Rückschlägen gekennzeichnet sein, sagte der DIW-Präsident. “Den ersten Rückschlag erleben wir aktuell. Das Wirtschaftswachstum könnte im letzten Quartal dieses Jahres um ein Prozent schrumpfen.” Wegen des Lockdowns im November werde die Wirtschaft noch einmal deutlicher einbrechen. Das sei noch nicht in dem am Mittwoch vorgestellten Gutachten der Wirtschaftsweisen berücksichtigt.

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Die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung auf 16 Prozent solle Bundesregierung wie geplant am Jahresende auslaufen lassen, sagte Fratzscher. “Zum einen lag die Stärke dieser Maßnahme in ihrer zeitlichen Befristung, um Konsumenten dazu zu bringen, große Anschaffungen vorzuziehen. Dieser Effekt verpufft, wenn die Mehrwertsteuer dauerhaft niedriger liegt.”

Zum anderen sei die Maßnahme “sehr teuer”. Alleine durch die zeitlich befristete Mehrwertsteuersenkung hätten Bund und Länder auf 20 Milliarden Euro verzichtet. Kritisch sieht Fratzscher die Schuldenbremse der Bundesregierung. Sie lege dem Staat eine Zwangsjacke an und drohe der Wirtschaft zu schaden, sagte er. “Die Schuldenbremse sollte überarbeitet werden und sicherstellen, dass die dringend notwendigen öffentlichen Investitionen in Klimaschutz, digitale Transformation, Innovation und Bildung durch sie nicht geschwächt werden.”

Bild und Text über dts Nachrichtenagentur